Was wir unter Nachhaltigkeit verstehen

Nachhaltigkeit ist ein "Gummiwort", ein Modewort ohne fixe Kriterien und doch mit einer historischen Bedeutung: "Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme". Hört sich kompliziert an? Ist es auch. Hier erkläre ich , was wir bei "Anna und Oskar" unter Nachhaltigkeit verstehen. Man kann das Thema bei uns grob in zwei Bereiche gliedern.

1. Nachhaltig handeln als Unternehmen

In einem (kleinen) Unternehmen nachhaltige Entscheidungen zu treffen, ist nicht immer leicht. Es ist nach wie vor so, dass die besseren, vernünftigeren, langlebigeren Varianten häufig die teureren ist. Als StartUp, das gern schnell grüne Zahlen schreiben möchte, ist das oft ein hartes Brot. Zwischen dem Anspruch, es so gut wie möglich zu machen und dem finanziellen Druck im Nacken gibt es aber Spielraum. Auch wenn das heißt, langsamer zu wachsen und eben nicht alle Ideen und Kundenwünsche sofort umsetzen zu können. 

 

Der wohl wichtigste Punkt sind die Produktionswege. Wie oft wird mein Produkt oder Teile davon von A nach B gefahren oder gar geflogen oder verschifft? Die CO2-Emission von Flug- und Schiffverkehr ist ein wesentlicher Faktor des voranschreitenden Klimawandels. Für mich kam eine Produktion am anderen Ende der Welt daher nie in Frage. Das Material wird zugeschnitten und bestickt in Bielefeld. Dann werden die Teile in Rumänien in einer inhabergeführten Näherei zusammengenäht. Diese Näherei näht ausschließlich für meinen Produktionspartner in Bielefeld und ist somit keinen Preiskämpfen o.ä. ausgesetzt. Alle 2 Wochen fährt ein LKW zur Näherei und wieder zurück. Faire Löhne und hohe Sicherheitsstandards sind selbstverständlich. Das gleiche gilt für die verwendeten Materialien - über 90% des Materials für eines Rucksacks kommt direkt aus Deutschland.

 

Normalerweise werden Produkte einzeln in Folie verpackt. Jeder, der schon mal bei Zalando oder H&M bestellt hat, weiß das. Die Ware soll beim Transport vor Schmutz und Nässe geschützt werden. Ich habe darum gebeten, das bei unseren Produkten nicht zu tun und bin sehr glücklich, dass meinem Wunsch entsprochen wurde. Das notwendige Verpackungsmaterial senden wir zurück und erhalten die nächste Lieferung wieder darin.  

 

Wir versenden 100% plastikfrei und klimaneutral mit DHL GoGreen. Dazu nutzen wir Graskartons aus 35% regionalem Gras und 65% Altpapier mit einer unschlagbar guten Ökobilanz. Ganz bewusst verzichten wir auf konventionelles Verpackungs- und Füllmaterial und sind mutig genug, unser "nacktes" Produkt zu versenden. Die Community wertschätzt diesen Verzicht und freut sich, mit einer Onlinebestellung nicht wie sonst oft noch einen Haufen Verpackungsmüll geliefert zu bekommen.

 

Soziales Engagement ist für uns Nachhaltigkeit auf höchster Ebene. In was für einer Welt sollen unsere Kinder aufwachsen? Deshalb spenden wir für jede Bestellung 1,- Euro an soziale Projekte. Das war 2019 die Elterninitative Mother Hood e.V., die sich für eine sichere Geburt und Hebammen einsetzt. Im Jahr 2020 geht das Geld an das "Welt von unten" Projekt, dass sich für eine gewaltfreie Kindheit einsetzt. Wir glauben ans Geben!

"Es ist nach wie vor so, dass die besseren, vernünftigeren, langlebigeren Varianten häufig die teureren ist."

Photovoltaik-Anlage und Gründach auf dem Dach der Produktionsstätte Bielefeld

2. Ein nachhaltiges Produkt erschaffen

Kann Konsum jemals nachhaltig sein? Wir sagen: ja. Und zwar wenn er die höchstmögliche Nutzungsdauer für eine große Anzahl an Einsatzvariationen gewährleistet. Wenn er andere Käufe überflüssig macht und einen Mehrwert schafft. Das alles leisten unserer Taschen und Rucksäcke. Sie sind von allen Familienmitgliedern (unisex) nutzbar und für unzählige Verwendungsmöglichkeiten geeignet. 

 

Es ist ein Fakt, dass sehr viele Produkte im Bereich "Baby/Kinder" für eine einmalige Nutzung produziert werden. Kinderkleidung ist wahrscheinlich das extremste Beispiel: es wird immer mehr minderwertige Kleidung produziert während die Nutzungsdauer der einzelnen Kleidungsstücke rapide sinkt. Doch auch Spielzeug, Kleinmöbel, Elektronik oder eben Taschen werden mit derart niedrigem Materialeinsatz in Massen produziert, dass sie kaum "ein Kind" aushalten, geschweige denn mehrere Geschwister oder Generationen. Die Absicht dahinter liegt auf der Hand: es soll in jeder Schwangerschaft alles neu gekauft werden. 

 

Diesen Trend ist nicht nur ein Zeit- und Geldfresser, sondern auch in höchstem Maße unethisch. Aus diesem Grund war und ist es das oberste Ziel in jeder Produktentwicklung bei Anna und Oskar, ein langlebiges und widerstandsfähiges Produkt zu erschaffen. Natürlich ist z.B. ein Wickelrucksack nochmal besonderen Herausforderungen im Alltag ausgesetzt. Und genau dann muss das Material und die Verarbeitung oberste Priorität haben. 

"Diesen Trend ist nicht nur ein Zeit- und Geldfresser, sondern auch in höchstem Maße unethisch."

Wir verwenden für alle unsere Wickeltaschen und Wickelrucksäcke eine in Deutschland gewebten Cordura. Reißfest, starke Abriebfestigkeit, wasserabweisend - kein Wunder, dass Cordura häufig beim Militär und für Motorradschutzkleidung eingesetzt wird. Technisch ist Cordura ein Nylongewebe und es ist mir wichtig, dass ganz offen zu sagen. Ein Rucksack aus einer Baumwollfaser würde sehr schnell verschleißen und ist den Anforderungen, mehrere Generationen und viele verschiedene Einsätze zu überdauern, definitiv nicht gewachsen. Recycelte Materialien haben meist nur ein Drittel der Lebensdauer, da die Fasern schonmal aufgebrochen wurden. Alles hat seine Daseinsberechtigung - unsere Priorität war es, das langlebigste Material mit den kürzesten Transportwegen zu finden

 

Das Wichtigste zum Schluss: wir sind auf einem Weg. Vieles läuft bereits sehr gut, manches wird mit der Zeit kommen und wir sind nicht perfekt. Ich habe Angebote für Fertigung oder Material aus Asien bekommen, mit denen ein Rucksack in der Produktion nur ein Bruchteil unserer aktuellen Einkaufspreise kosten würde. Diese Angebote schockieren mich. Wir haben uns für den langsamen, nachhaltigen Weg entschieden. Und jede Bestellung und jede positive Bewertung macht uns Mut, dass dieser Weg der richtige ist. 

 

Hast Du Ideen, wie das Geschäftsmodell von "Anna und Oskar" noch nachhaltiger werden kann? Dann schreib mir gern: caro@anna-und-oskar.de und wir gehen gemeinsam den nächsten Schritt!

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