Was wir unter Nachhaltigkeit verstehen

Nachhaltigkeit ist ein "Gummiwort", ein Modewort ohne fixe Kriterien und doch mit einer historischen Bedeutung: "Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme". Hört sich kompliziert an? Ist es auch. Hier erkläre ich , was wir bei "Anna und Oskar" unter Nachhaltigkeit verstehen. Man kann das Thema bei uns grob in zwei Bereiche gliedern.

1. Nachhaltig handeln als Unternehmen

In einem (kleinen) Unternehmen nachhaltige Entscheidungen zu treffen, ist nicht immer leicht. Es ist nach wie vor so, dass die besseren, vernünftigeren, langlebigeren Varianten häufig die teureren ist. Als StartUp, das gern schnell grüne Zahlen schreiben möchte, ist das oft ein hartes Brot. Zwischen dem Anspruch, es so gut wie möglich zu machen und dem finanziellen Druck im Nacken gibt es aber Spielraum. Auch wenn das heißt, langsamer zu wachsen und eben nicht alle Ideen und Kundenwünsche sofort umsetzen zu können. 

 

Der wohl wichtigste Punkt sind die Produktionswege. Wie oft wird mein Produkt oder Teile davon von A nach B gefahren oder gar geflogen oder verschifft? Die CO2-Emission von Flug- und Schiffverkehr ist ein wesentlicher Faktor des voranschreitenden Klimawandels. Für mich kam eine Produktion am anderen Ende der Welt daher nie in Frage. Das Material wird zugeschnitten und bestickt in Bielefeld. Dann werden die Teile in Rumänien in einer inhabergeführten Näherei zusammengenäht. Diese Näherei näht ausschließlich für meinen Produktionspartner in Bielefeld und ist somit keinen Preiskämpfen o.ä. ausgesetzt. Alle 2 Wochen fährt ein LKW zur Näherei und wieder zurück. Faire Löhne und hohe Sicherheitsstandards sind selbstverständlich. 

 

Normalerweise werden Produkte einzeln in Folie verpackt. Jeder, der schon mal bei Zalando oder H&M bestellt hat, weiß das. Die Ware soll beim Transport vor Schmutz und Nässe geschützt werden. Ich habe darum gebeten, das bei unseren Produkten nicht zu tun und bin sehr glücklich, dass meinem Wunsch entsprochen wurde. 

 

Wir versenden plastikfrei (Biobiene-zertifiziert) und co2-neutral mit DHL GoGreen. Entweder nutzen wir gebrauchte Kartons oder Graskartons. Auch hier wieder: jeder Graskarton kostet uns mehr als ein normaler Karton, der Co2-Ausgleich für den Versand kostet extra usw.. Da kommt einiges zusammen über das Jahr.

 

Von jedem verkauften Hugo 2.0 gehen 5,00 Euro an soziale Projekte. Dieses Jahr ist es die Elterninitative Mother Hood e.V., die sich für eine sichere Geburt und Hebammen einsetzt. Auch das verstehen wir unter Nachhaltigkeit. Der Gesellschaft etwas zurückgeben, Verantwortung übernehmen. Denn das verbessert NACHHALTIG die Welt, in der wir und unsere Kinder leben.

"Es ist nach wie vor so, dass die besseren, vernünftigeren, langlebigeren Varianten häufig die teureren ist."

Photovaoltaik-Anlage und Gründach auf dem Dach der Produktionsstätte Bielfeld

2. Ein nachhaltiges Produkt erschaffen

Kann Konsum jemals nachhaltig sein? Wir sagen: ja. Und zwar wenn er die höchstmögliche Nutzungsdauer für eine große Anzahl an Einsatzvariationen gewährleistet. Wenn er andere Käufe überflüssig macht und einen Mehrwert schafft. Das alles leistet Hugo 2.0. Er ist von allen Familienmitgliedern (unisex) für unzählige Verwendungsmöglichkeiten geeignet. 

 

Es ist ein Fakt, dass sehr viele Produkte im Bereich "Baby/Kinder" für eine einmalige Nutzung produziert werden. Kinderkleidung ist wahrscheinlich das extremste Beispiel: es wird immer mehr minderwertige Kleidung produziert während die Nutzungsdauer der einzelnen Kleidungsstücke rapide sinkt. Doch auch Spielzeug, Kleinmöbel, Elektronik oder eben Taschen werden mit derart niedrigem Materialeinsatz in Massen produziert, dass sie kaum "ein Kind" aushalten, geschweige denn mehrere Geschwister oder Generationen. Die Absicht dahinter liegt auf der Hand: es soll in jeder Schwangerschaft alles neu gekauft werden. Nur das Beste für das Baby. Ja ne, is klar.

 

Diesen Trend ist nicht nur ein Zeit- und Geldfresser, sondern auch in höchstem Maße unethisch. Aus diesem Grund war und ist es das oberste Ziel in jeder Produktentwicklung bei Anna und Oskar, ein langlebiges und widerstandsfähiges Produkt zu erschaffen. Natürlich ist beispielsweise ein Wickelrucksack nochmal besonderen Herausforderungen ausgesetzt. Und gerade da muss das Material und die Verarbeitung oberste Priorität haben. 

 

"Diesen Trend ist nicht nur ein Zeit- und Geldfresser, sondern auch in höchstem Maße unethisch."

Das Außenmaterial von Hugo 2.0, aber auch von der Unterlage oder der Windeltasche ist aus einer in Deutschland gewebten Cordura. Das ist ein Nylongewebe und damit ein Kunststoff. Ich möchte da ganz offen sein. Denn uns war es wichtiger, kurze Transportwege (ohne Flüge oder Frachtschiffe) zu haben und vor allem ein Material zu wählen, das extrem widerstandsfähig ist und lange hält. Ein Rucksack aus einer Baumwollfaser würde sehr schnell verschleißen und ist den Anforderungen, mehrere Generationen und viele verschiedene Einsätze zu überdauern, definitiv nicht gewachsen. Wir wollten das beste Material, dass es im Outdoorbereich gibt. Und das ist die Cordura. Die Verschlüsse und Schnallen sind aus Metall. Von Hand an Profimaschinen genäht von ausgebildeten Näherinnen und Nähern. Jeder Rucksack geht durch meine Hände. Und ich gebe ihn mit einem guten Gefühl weiter. Auf das er jahrzehntelang gute Arbeit leistet und das Leben von vielen Menschen ein bisschen leichter macht. Das verstehe ich unter Nachhaltigkeit. 

 

Das Wichtigste zum Schluss: wir sind auf einem Weg. Vieles läuft gut, manches wird mit der Zeit kommen und wir sind nicht perfekt. Ich habe Angebote für Fertigung oder Material aus Asien bekommen, mit denen der Rucksack in der Produktion weniger als halb so teuer wäre. Damit hätte ich schnell grüne Zahlen geschrieben. Ich habe alles abgesagt und mich für den langsamen, nachhaltigen Weg entschieden. Die Zeit wird zeigen, ob es langfristig funktioniert. Es mir nach wie vor ein Rätsel, warum so wenige große Unternehmen nachhaltig handeln, wenn doch sogar ich das tun kann. Ich freue mich über jede einzelne Bestellung, weil sie mir zeigt, dass ich mit dieser Einstellung nicht allein bin. Und dass es tatsächlich Menschen gibt, die immer noch bereit sind, für Qualität und eine gute Sache etwas mehr zu bezahlen. Dafür bin ich dankbar. 

 

Hast Du Ideen, wie das Geschäftsmodell von "Anna und Oskar" noch nachhaltiger werden kann? Wir freuen uns über jeden Kommentar!

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