Zu Hause arbeiten - Herausforderung Corona für berufstätigen Eltern

Diese Woche bekamen viele Eltern zwei wichtige Nachrichten auf einmal: Kitas und Schulen schließen für fünf Wochen und ihr macht ab Montag Homeoffice. Verständlich, dringend und wichtig. Leider erliegen die Entscheidungsträger hier einer Illusion, da sie die Realität nie selbst erlebt haben: sie glauben, dass Arbeiten während der Kinderbetreuung funktioniert. 

Kinder betreuen und Arbeiten sind zwei verschiedene Tätigkeiten

Bei einem Zehnjährigen mag das vielleicht noch mit Hilfe einer Playstation hinhauen, bei Kleinkindern wird es ziemlich schwierig. Und bei Babies hat man ja wenigstens auch noch richtig schlecht geschlafen, bevor man sich an den Schreibtisch setzt. Niemand, wirklich NIE-MAND, hat jemals dreißig Minuten konzentriert an etwas Wichtigem gearbeitet, während die Kinder anwesend waren. Dafür lege ich mein Smartphone ins Feuer. Ich habe so viele E-Mails ohne Anhänge verschickt, so viele Argumente am Telefon nicht verstanden, weil ich zum AAAAAPUTZEN gerufen wurde, habe so viele Dateien auf meinem Desktop, die "Neuer Ordner" heißen. Nach fünf Jahren im Homeoffice mit zwei kleinen Kindern weiß ich, wovon ich rede. Was mich bisher gerettet hat? Die vier Stunden Kindergarten am Morgen, in denen ich voll durchgepowert habe. Und die sind nun ab Montag weg. Ersatzlos gestrichen. 

"Social Distancing: warum die Oma nicht einspringen sollte"

Die Lage ist nun, wie sie ist und Schulen und Kitas bleiben bis mindestens Ende der Osterferien geschlossen. Es wird dringend davon abgeraten, die Kindern nun zu den Großeltern zu bringen, da die natürlich zur Risikogruppe gehören. Wer dazu zählt und warum kannst du hier nachlesen. Auch die Organisation von privaten Betreuungsgruppen ist keine Gute Idee, die Empfehlung lautet ganz klar "Social Distancing", also so wenige soziale Kontakte wie möglich. Es ist eine kollektive Verantwortung, die Verbreitung des Virus mit allen Mitteln zu verlangsamen. Also: Ärmel hochkrempeln. Wir Eltern müssen uns nun an diesem Wochenende überlegen, wie wir unsere Arbeit ab Montag organisiert bekommen. Mit Kindern. 

Struktur im Homeoffice schaffen

Wenn es im Homeoffice schon immer wichtig war, strukturiert zu arbeiten, ist es mit anwesenden Kindern dreimal so wichtig. Mit welchen Problemen und Ablenkungen wir rechnen müssen, habe ich eingangs beschrieben und dürfte allen Beteiligten klar sein. Also, wie macht man das am besten? 

Feste Arbeitszeiten

Lege dir Arbeitszeiten fest, die Du so gut wie immer einhalten kannst. Dabei richtest Du dich nach den Schlafenzeiten deiner Kinder. Also z.B. während des Mittagsschlafs von 12:30 - 14:00 Uhr oder abends von 20:00-22:00 Uhr. Diese Zeiten sind ab sofort HEILIG. Sobald dein Kind schläft, lässt Du alles stehen und liegen und setzt dich an die Arbeit. Du stellst keine Maschine Wäsche mehr an, räumst nicht mehr die Knete ein und wischst nicht den Tisch ab. Ganz wichtig, um in dieser Zeit nicht von Instagram oder WhatsApp angelenkt zu werden: Handy aus. Tipp: das ausgeschaltete Telefon beim ins Bett bringen im Kinderzimmer liegen lassen ;-)

" Wenn du heute nur eine Sache erledigen könntest, welche wäre das?"

In den festen Arbeitszeiten erledigst Du ausschließlich wichtige Arbeiten, die deine volle Konzentration benötigen. Was wäre die eine Sache, bei der Du später vor dem Einschlafen zu dir sagst "Gott sei dank hab ich das gemacht!". Woher weiß man, was wichtig ist? Ungeschlagen ist die Eisenhowermatrix, die dir aufzeigt, was wichtig und dringend ist. Ein weiteres Tool für fokussiertes Arbeiten ist das "One Thing" nach Gerry Keller. Oft hilft es aber auch schon, einfach eine ToDo-Liste zu schreiben und sich dann zu zwingen, die Prios 1, 2 und 3 zu vergeben. Und dann in genau der Reihenfolge abzuarbeiten. 

Flexible Arbeitszeiten

Auch mit Kleinkindern gibt es immer wieder Phasen am Tag, in denen sie nicht unsere volle Aufmerksamkeit benötigen. Wenn sie ein Puzzle machen, Duplo bauen oder auch mal eine Folge auf dem Tablet schauen. Meistens sind diese Zeitfenster irgendwas zwischen 10 und 20 Minuten. In diesen Zeiten ist es wieder ganz wichtig, nicht das Handy in die Hand zu nehmen und rumzuscrollen, sondern Schritt für Schritt kleinere Aufgaben abzustottern. Mach am besten im Vorfeld eine Liste mit Dingen, die Du in diesen kleinen Zeitfenstern erledigen kannst. Für mich persönlich ist das zum Beispiel:

 

  • E-Mails beantworten
  • Importe/Exporte von Daten anstoßen
  • Täglichen Business-Zahlen checken
  • Ein Posting für Instagram schreiben
  • Eine Aufgabe an eine Mitarbeiterin delegieren
  • Verpackungsmaterial bestellen
  • Recherche zu Weiterbildungen und Events
  • Überweisungen
  • Desktop aufräumen
  • Vorarbeiten für die wichtige Aufgabe am Abend, damit ich dann direkt loslegen kann
  • Kurze Telefonate mit Geschäftspartner*innen, die ich kenne
  • Impuls Brainstorming: schreibe 5 Minuten alle Gedanken zu einem bestimmten Thema auf (Produktidee, Content, Shooting usw)
  • Pflege der Planungstools wie Trello, Kalender usw. 

 

Diese Dinge müssen alle irgendwann getan werden. Aber nicht in der Prime-Time am Abend ;-) Ein Tipp: nimm dir für jedes flexible Zeitfenster nur eine dieser Aufgaben vor und setz dich dann wieder zu deinem Kind. Sonst wirst Du verleitet, eine weitere Aufgabe anzufangen, wirst früher oder später gerufen und bist dann genervt ("nie kann ich was fertig machen"). Lass es nicht so weit kommen, besser eins nach dem anderen. Und: auch Kleinkinder können lernen, sich an bestimmte Zeiten zu halten. Wenn es die Eltern auch tun. 

Keine Arbeitszeiten

Sind die Zeiten mit deinen Kindern. Der Fokus und die Hingabe, die du deiner Arbeit schenkst, kannst Du auch deinen Kindern schenken. Es kann nichts dafür, dass es da ist. Und das du arbeiten musst. Niemand hat sich diese Situation ausgesucht. mach dir das immer wieder klar: es gibt keinen Grund für dich, beleidigt oder sauer zu sein. Niemand hat Schuld. Du kannst die Situation nicht ändern, aber du kannst ändern, wie du damit umgehst. 

 

Wie wäre es, wenn wir diese kitafreie Zeit nutzen, um mit unseren Kindern endlich all die Dinge zu machen, die wir uns so oft vorgenommen haben? Spaghetti mit der Nudelmaschine machen, alle Legosets sortieren, eine Verkleidungskiste zusammenstellen, einen Regenbogenkuchen backen, Eine Wimpelkette basteln, einen Kräutergarten anlegen, ein eigenes Bilderbuch gestalten. Und was wäre, wenn wir in dieser Zeit eine Chance sehen, die Verteilung der Care-Arbeit in unseren Familien neu zu überdenken? Was wäre, wenn wir merken, dass es gar nicht schlimm ist, wenn unsere Kinder da sind? 

 

Ich wünsche euch wunderschöne, kreative, arbeitsreiche und inspirierende 5 Wochen mit euren Kids!

 

Euro Caro

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Kommentare: 3
  • #1

    Anonym :) (Sonntag, 15 März 2020 18:04)

    Ein sehr hilfreicher Beitrag mit guten Tipps. Vielen Dank!

  • #2

    Juniper (Sonntag, 15 März 2020 23:08)

    Lieben Dank für deinen Beitrag. Ich habe drei Kleinkinder und genau den letzten Absatz haben wir und Freitag Abend vorgenommen! Intensive Familienzeit um innerhalb der Familie voranzukommen ;-).
    Juniper

  • #3

    Mandy (Mittwoch, 18 März 2020 21:38)

    Vielen Dank wir versuchen auch immer die Struktur zu bewahren also eine Routine da meine Kinder diese einfach brauchen genau wie ich auch

Komm mit auf unseren Weg!


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