"Traut euch, unbequem zu sein." Interview mit der Schriftstellerin Anna Brachetti

"Traut euch, unbequem zu sein. Und verändert. Egal, wo ihr anfangt."

Interview

mit Anna Brachetti von @langsam.achtsam.echt

Die Schriftstellerin Anna Brachetti inspiriert über Instagram täglich 40.000 Menschen zu mehr Achtsamkeit und Nachhaltigkeit im Familienleben. Sie spricht über so viele wichtige und dringende Themen, dass ich mich gar nicht entscheiden konnte, was ich sie alles fragen möchte. Sie ist ein absolutes Vorbild für mich und eine echte Inspiration für alle Eltern, die bereit sind, für ihre Kinder etwas zu verändern.

 

 

Bitte kurz ein paar Infos über dich und wo wir mehr von dir lesen und sehen können!

 

Ich bin Anna, habe Neurowissenschaften und kognitive Psychologie studiert, bin ausgebildete Trageberaterin und Babykursleiterin und schreibe jetzt auf Instagram auf @langsam.achtsam.echt und für Zeitschriften (wie z.B. die “Babywelt”) über bedürfnisorientierte Elternschaft und Nachhaltigkeit im Alltag. Gerade beginnt auch noch ein weiteres großes Projekt, das aber noch geheim bleiben muss ;). Mit meinem Mann und meinen drei Kindern im Alter von 9 Monaten, 4 Jahren und 6 Jahren wohne ich mitten in Berlin.

 

 

Du schreibst auf instagram über vielfältige Themen wie Klimawandel, Feminismus, Slowparenting oder vegane Ernährung. Kamen diese Themen nach und nach in dein Leben? Gibt es da Phasen oder verstehst Du das als „ganzheitlichen“ Lebensstil, diese Dinge in den Blick zu nehmen?

 

Im Rückblick hat sich mein Leben schon immer in diese Richtung bewegt, aber natürlich gab es auch eine Zeit, in der ich mal mehr Müll produziert, Fleisch gegessen, nicht gegendert habe und gedacht habe, dass meine Kinder im eigenen Zimmer schlafen werden. Ehrlich gesagt habe ich auch immer gedacht, dass das alles “total übertrieben” ist.

 

Alles fing damit an, dass wir uns mit dem ersten Kind einfach mehr damit befasst haben, was wir essen. Wir stellten auf Bio um und daraus entwickelte sich dann Schritt für Schritt immer mehr. Der Plastikmüll störte mich, also suchte ich nach Alternativen. Ich fand mehr darüber heraus, wie eigentlich tierische Lebensmittel hergestellt werden und mir wurde irgendwann klar, dass ich das nicht weiter unterstützen kann.

 

Es gibt sicher Phasen, in denen wir mal etwas mehr Müll produzieren (im Wochenbett zum Beispiel), aber viele Veränderungen sind nicht nur äußerlich, sondern haben einen Wandel meiner Einstellung verursacht. Und deswegen finde ich meinen Lebensstil auch gar nicht besonders schwierig. Ich esse, bloß eben keine tierischen Lebensmittel. Ich kaufe ein, bloß eben ohne Plastik. Ich pflege mich, bloß eben ohne schädliche Substanzen in den Abfluss zu spülen. Ich trage Kleidung, nur dass dafür niemand unter menschenunwürdigen Umständen arbeiten muss.

 

Ich glaube nicht, dass wir alle unbedingt all das machen müssen, was ich tue. Ich bin schließlich ich und alle anderen sind eben alle anderen. Aber es gibt sehr viele Bereiche, in denen wir ganz dringend Veränderungen brauchen und wir können alle viel mehr tun als wir zuerst annehmen. Wir müssen nur damit anfangen.

 

Du bist bei den #fridaysforfuture schon mit deinen Kindern mitgelaufen und machst dich für das Thema stark. Magst Du uns ein oder zwei schlagfertige Antworten an die Hand geben, die wir allen „besorgten Pädagogen und Pädagoginnen“ entgegensetzen können?

 

Oh, ich will hier keine falschen Vorstellungen wecken. Ich war einmal da, als weltweit demonstriert wurde. Und ich finde es ehrlich gesagt ziemlich traurig, dass sich die Kinder sich überhaupt so sehr mit dem Thema befassen müssen. Sie haben einfach Recht: Wir stehlen ihnen die Zukunft. Und wenn wir mit 15 so cool gewesen wären, müssten die heute wahrscheinlich nicht laufen...

 

 

Wenn Du die Chance hättest, vor 80 Millionen Menschen zu sprechen: welche eine Sache würdest Du ihnen mit auf den Weg geben wollen.

 

Macht Druck auf die Politik und auf die Wirtschaft. Mit euren Kaufentscheidungen, mit euren Stimmen. Traut euch, unbequem zu sein. Und verändert. Egal, wo ihr anfangt. Verändert ganz grundlegend die Art, wie ihr konsumiert. Wir können nicht genauso wie vorher weitermachen, nur eben “in grün”. Wir müssen vor allem wieder zurückkommen zu einem bewussten Konsum.

 

#fridaysforfuture

"Wenn wir mit 15 so cool gewesen wären, müssten die heute wahrscheinlich nicht laufen..."

Welche Blogs und/oder Instagram Accounts würdest Du Müttern und Vätern empfehlen, die jetzt beginnen, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen.

 

@nachhaltigkeit.warum.nicht

@naturlandkind

@zero_waste_deutschland

@justinekeptcalmandwentvegan

@heylilahey

@diekleinebotin

 

Und noch einige mehr!

 

 

Wir haben Anfang des Jahres mit der Challenge #10Tage10Hacks auf Instagram Tipps für ein nachhaltigeres Familienleben gesammelt. Verrätst Du uns deine Top 3 für Familien?

 

Edelstahl-Trinkflaschen für die ganze Familie sind ja mittlerweile schon ein No-Brainer.

 

Wer beim Einkauf darauf achtet, ein bisschen regionaler und ein bisschen saisonaler einzukaufen und generell mehr selbst kocht, statt auf Fertignahrung zurück zu greifen, spart mindestens die Hälfte des Plastikmülls - und Kindern macht es Spaß, dabei sein zu dürfen (auch wenn das für die Eltern manchmal ganz schön anstrengend ist).

  

Aber vor allem finde ich es wichtig, mit den Kindern zu reden. Sie teilhaben zu lassen an unserem Leben. Auf ihre Fragen ehrlich zu antworten, ohne ihnen Angst zu machen. Ihnen zu zeigen, dass es (fast) immer umweltfreundliche Alternativen gibt, ohne ihnen Verbote aufzuerlegen. Ausnahmen zuzulassen, aber doch grundsätzlich eine Richtung vorleben, an der sich Kinder orientieren können.

 

Danke Dir für die wertvollen Anregungen, liebe Anna!

Ich empfehle Dir unbedingt den Instagram-Blog von Anna, dort gibt es umfassenden und alltagsnahen Input zum vielen Familienthemen wie Stoffwindeln, Kinderbücher, Capsule Wardrobe, Arbeiten mit Kindern uvm. Zudem ist hier der Linktree von Anna: https://linktr.ee/langsam.achtsam.echt

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