Die Welt von unten sehen

Kennst du das, wenn die Oma zu Besuch kommt und dein Kind abknutscht, obwohl es das gar nicht möchte? Und du stehst irgendwie bedröppelt daneben und fragst dich, wie du das verhindern könntest, ohne enterbt zu werdenOder, wenn du morgens in totaler Hektik quer durch die Wohnung rufst, dass dein Kind sich jetzt die Schuhe anziehen soll, weil ihr eh schon viel zu spät seid? Und dann – geht gar nichts mehr außer einem riesengroßen Drama?

 

Ich bin Cara vom Weltvonunten-Projekt und ich erinnere mich an meinen ersten Tag im Kindergarten als wäre es gestern gewesen: Ich kannte weder die Erzieherin noch die Kinder, der Raum war mir fremd , es roch komisch, war laut und ich wusste nicht, wo ich zur Toilette gehen kann oder wann es etwas zu Essen geben würde. Ich stand allein, verängstigt und überfordert im Gruppenraum und wollte einfach nur nach Hause. Von einer Eingewöhnung war damals noch keine Rede. Und so blieb ich mit meiner Angst allein, während meine Mama, vermutlich selbst schweren Herzens, mir zuwinkte und den Kindergarten für die nächsten 8 Stunden verließ.

 

 

Heute bin ich erwachsen - Erzieherin, Sozialpädagogin und Bonusmama in einer Regenbogenfamilie. Und ich stelle fest, dass so viele Erwachsene sich kaum noch an die eigenen Gedanken und Gefühle aus ihrer eigenen Kindheit erinnern können. Oder dass es ihnen einfach schwerfällt, sich in die Kinder hineinzuversetzen, die sie betreuen, denen sie begegnen oder die sie selbst bekommen haben.

 

Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder das Potenzial in sich trägt, gewaltfrei und achtsam mit Kindern umzugehen. Und dass es manchmal vielleicht nur eine Art Dolmetscher zwischen Eltern-Kind, Kind-Eltern braucht. Deswegen setze ich mich mit meinen Geschichten aus der Perspektive von Kindern für eine gewaltfreie Kindheit und Kinderrechte ein.


Ich weiß es schon beim Abendessen. Es geht mir durch den Kopf und ich werde unruhig. Ich zögere alles hinaus. Zappele auf meinem Stuhl. Knabbere in Zeitlupe an meinem Abendbrot. Vermutlich wärt ihr geneigt zu sagen: "Setz dich richtig hin! Hör auf zu zappeln! Iss ordentlich!" Mal abgesehen davon, dass ich bei diesen Aufträgen keine Ahnung habe, was ich eigentlich tun soll, sagt ihr stattdessen: "Hey, möchtest du noch ein bisschen auf den Schoß?". Ich nicke und klettere rüber. Kuschele mich ein. Lasse mir über die Haare und den Rücken streicheln. Es ist, als würde die Unruhe aus mir raus gestreichelt werden.

 

Wir wissen alle, was ansteht und es ist nicht der erste Abend, an dem ich mich einfach nicht überwinden kann. "Brauchst du ein Taxi?". Wieder nicke ich und klettere aufs Sofa. Von dort springe ich auf deinen Rücken und ein lustiges Lied singend fahren wir ins Bad. So ist der Weg nur noch halb so schlimm.

 

Die Angst kommt trotzdem zurück. Ich verstecke mich unter dem Badschrank. "Lausemaus, wo bist du? Pupsbärchen? Mäusefürzchen!" Bei all den lustigen Namen muss ich lachen und krieche aus meinem Versteck.

 

Ich presse meine Lippen aufeinander. Aber du stopfst mir die Zahnbürste nicht einfach in den Mund. Oder schreist mich an. Sondern lauschst: "Oh! Hör mal!? Ist das etwa der Hammer vom Zahnwehmännlein?". Jetzt höre ich es auch. Da muss schnell ein Zahnbürstenkommando anrücken! Ich sperre den Mund auf und los geht die wilde Jagd: "Du freches Zahnwehmännlein, stell dich! Komm raus! Wir schrubben dich weg! Aaaaah, da stürzt es schon aaaaab! Bum!" Zwischendurch muss ich so lachen, dass wir Pause machen müssen.

 

Ich hasse Zähne putzen. Aber mit dir kann ich es gut überstehen. Wenn du mir so die Zähne putzt, dann ist es wirklich "nicht so schlimm“.



Die Weltvonunten-Geschichten bieten einerseits Impulse für einen gewaltfreien Umgang auch in verzwickten Situationen des Familienalltags, andererseits sind sie Wachrüttler für bagatellisierte Gewalt zuhause oder in der Kita. Die Geschichten sind mitten ins Herz geschrieben und wecken so wieder das Einfühlungsvermögen, dass es manchmal braucht, um während des Wutausbruchs des Kindes selbst ruhig zu bleiben, die Wut zu begleiten und dann gemeinsam nach einer guten Lösung zu suchen.

WELTVONUNTEN ist mein Projekt für mehr Empathie von Erwachsenen gegenüber Kindern. Eine Erinnerung daran, wie es sich anfühlt, klein zu sein und die "Welt von unten" zu erleben. Gleichzeitig ist Weltvonunten ein Plädoyer für achtsame, gewaltfreie und bedürfnisorientierte Erziehung und Begleitung von Kindern.

 


Zusammenarbeit mit Anna und Oskar

Seit der erfolgreichen Startnext-Kampagne gibt es die Weltvonunten-Geschichten nicht mehr nur auf Instagram zu lesen, sondern auch in meinem Onlineshop auf klimaneutral und nachhaltig produzierten Karten – zum An-den-Kühlschrank-Pinnen, zum Verschicken an den Opa oder Verschenken an die Erzieherin.

Jedes Jahr suchen wir ein Projekt aus, dass wir finanziell und mit unserer Reichweite unterstützen. In 2020 spenden wir daher ein Euro für jede Bestellung an Cara und das Weltvonunten-Projekt. Zudem legen wir in jedes Päckchen eine Weltvon unten-Karte für euch! Helft mit und verbreitet Caras Mission einer gewaltfreien Kindheit weiter in unserer Welt von oben!

 

Ihr findet Cara und viele Geschichten aus der Welt von unten hier auf Instagram: @welt_von_unten

Und hier ist ihre Website: www.weltvonunten.de

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